Krisendemo in Stuttgart – wütender Protest gegen SPD-Politiker

Es war die bisher größte Demonstration in Stuttgart diesen Jahres: ca. 20.000 Menschen sammelten sich vor dem Hauptbahnhof, um gegen halb 12 Uhr vormittags loszulaufen bis zum Schlossplatz. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di mobilsierte ihre Mitglieder mit dem Slogan „Das nennt ihr gerecht? Gerecht geht anders!“ und machte in ihrem Aufruf deutlich, welche Folgen die Sparpolitik der Regierung auf die Haushalte der Kommunen hat. Daneben gab es unter anderem Aufrufe vom DGB, der Linken, MigrantInnenorganisationen, von Einzelpersonen und ein Aufruf revolutionären Gruppen, der auf unserem Blog bereits veröffentlicht wurde.
Die Demonstration verlief ohne größere Zwischenfälle. Angeführt wurde der Zug von Vertretern der Gewerkschaften und der oppositionellen Parteien, darunter Bernd Riexinger (DIE LINKE), Claus Schmiedel (SPD) und Silke Krebs (Grüne). Zu erwähen sind noch der stimmungsvolle revolutionäre Block und ein Block des Bildungsstreiks, der unter anderem „Hoch mit der Bildung, nieder mit der Rüstung“ forderte.

Die Situation eskalierte, als auf der Endkundgebung Claus Schmiedel (Fraktionsvorsitzender der SPD im Landtag) ans Rednerpult gerufen wurde. Sogleich kippte die Stimmung unter den Teilnehmern. Die Wut der Menschen, die sich durch die neoliberale Reformpolitik und das unsoziale Krisenmanagement aufgestaut hatte, entlud sich mit lauten Rufen und fliegenden Eiern und Bananen gegen den SPD-Politiker. Vereinzelt flogen auch Flaschen, Fahnenstangen und Dosen. Schmiedel versuchte seine Rede hinter zwei Regenschirmen und dem Fronttranspi trotzdem zu halten, allerdings ging sie völlig unter in den Pfiffen und Rufen. Als die Lage immer brenzliger zu werden drohte, ließ man schwere Polizeieinheiten zwischen Rednerpult und Massen aufmarschieren, wobei wohl auch Pfefferspray eingesetzt wurde. Einige freiwillige Ordner des DGB versuchten die wütende Masse ebenso im Zaum zuhalten. Dabei soll von Seiten der Ordner wohl die ein oder andere Faust geflogen sein, so Teilnehmer der Demonstration. Allerdings wird auch berichtet, dass von seiten der Demonstranten gezielt auf die Ordner eingeschlagen wurde.
Die Situation beruhigte sich wieder als der linke Politiker und Gewerkschafter Bernd Riexinger ans Rednerpult kam. Die Veranstaltung auf dem Schlossplatz wurde früher als geplant beendet, nachdem zwei Rapper in ihren Texten deutliche Kritik am Kapitalismus übten und den Paragraphen 129 scharf angriffen. Am Rande der Endkundgebung kam es noch zu zusammenstößen zwischen Polizisten und Demonstranten, als einzelne Personen verhaftetet und abgeführt wurden.






